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BIRGT EIN BEDEUTUNGSLOSES DASEIN EINEN UNVERANTWORTLICHEN MENSCHEN

Gehe ich bedeutungslos oder unverantwortlich durchs Leben?

Welche Lebenseinstellung ist die Richtige zur Bewältigung meines Alltags? Weil ich meinem Leben übermäßig viel Bedeutung beimesse, setze ich mich ständig unter Druck. Oder gehe ich lieber unverantwortlich mit meinem Leben um, weil ich über die Folgen meiner Handlungen nicht nachdenken möchte. Dann bin ich der begnadete Grenzgänger, den ich stetig herausfordere.

Welche Werte erhalte ich aufrecht, damit ich mir die Erfüllung meiner Anforderungen überhaupt ermöglichen kann?

Vorallem unverantwortlich bin ich am liebsten – ich schalte mein Gewissen aus. Vernunft existiert für mich nicht. Es soll sie, die vernünftigen Handlungen nicht geben. Das ist zumindest meine Haltung gegenüber den mir zur Verfügung stehenden Ressourcen. Ich haushalte schlecht mit meinem Leistungspensum. Deswegen breche ich immer wieder aufs Neue ein – oder aus.

Gefühlszustände und Tagesformen lassen sich leider schwer steuern.  Oft bin ich gleichgültig. Aber was: Heute ist es dann tatsächlich wieder soweit. Ich bin voll da. Meine Energie ist übermäßig stark vorhanden. Die Freude über diesen berauschenden Zustand ist stärker als der Verstand. Ich schöpfe alles aus, was sich mir bietet. Es gibt keine Zeit zu verlieren. Denn ich erinnere mich an die vielen Tage, an denen alles bedeutungslos erscheint, meine Kraft mich verlassen hat. Tagelang im Stich lässt. Doch jetzt muss ich mich plötzlich nicht mehr anstrengen. Mich zu nichts überwinden. Alles gelingt. So liebe ich es. Es nützt nichts abzuwarten bis ich wieder erlahme. Nehme ich also nichts in die Hand oder alles? Na klar. Ich schmeiße mich und mein Energiepensum aus dem Fenster.

Bin ich energisch und durstig, pulsieren meine Adern – strotze ich vor Tatendrang. Meinen Armen wachsen Flügel. Ich breite sie aus. Ich umfasse die Welt an genau diesen wertvollen Tagen, genieße meine Erlebnisse in vollen Zügen. Von Anfang bis Ende, ohne Punkt und Komma. Exzessiv, impulsiv, galaktisch, welterhaben. Solange meine Kraft ausreicht. Noch länger als mich meine Beine überhaupt tragen können. Ich vergesse mich. Übergehe meinen Körper. Gehe nicht über Leichen, aber gleiche bald wieder einer. Ermüdungserscheinungen spüre ich noch nicht. Vielleicht erschlage ich mich und Andere. Das kann ich später besser festmachen.

Erstmal zerpresse ich die Frucht, schöpfe allen Lebenssaft aus, fülle ihn in ein Glas und gönne mir den Drink in genau einem Zug. Am besten auf Ex, damit ich die volle Dröhnung besser spüre. Ich schenke nach, immer wieder. Immer weiter. Es soll kein Ende nehmen. Da kommt mein Gewissen ins Spiel. Es sind die Tabletten, die mich danach ausgerichtet haben. Nach denen sich ein Gewissen eingerichtet hat, das ohne sie vielleicht nie richtig vorhanden wäre. Ich komme in Gewahrsam.

Beide Begriffe, ob unverantwortlich oder bedeutungslos, begreift mein erzogenes Gewissen mittlerweile als Gefahr. Es bedeutet: Entweder bin ich hypomanisch, bald manisch oder dann später wieder stark depressiv. Will ich das? Ich reflektiere und verstehe: Es geht mir zu gut. Denn eine konstante Struktur für mein Leben oder ausreichend Stabilität fehlt. Es fällt mir schwer einen Halt zu finden. Stop zu sagen. Für meinen Gemütszustand Abhilfe zu schaffen. Vergnügen ist doch possitiv, verdammt! Insgeheim weiß ich, wie sehr ich den Ausgleich brauche. Wie wichtig es für mich ist, die Balance zu halten. Den Spagat zu schaffen und sagen zu können:

Für heute ist mal Schluss mit lustig. Morgen wieder.

Ich mache die Augen zu und schaue nicht hinein in mich. Ich sehe und höre niemand, der mir sagt was vernünftig wäre. Und vorallem möchte ich das Vergnügen eigentlich niemals stoppen.

Ist mein Leben denn bedeutungslos, wenn ich mal nichts damit anfange? Oder gehe ich lieber immer wieder unverantwortlich damit um, weil ich keine Rücksicht auf Verluste nehme? Zerstöre ich mich lieber selbst? JEDES MAL AUFS NEUE: BIS NICHTS MEHR VON MIR ÜRRIG IST?

Führe ich denn besser ein beständiges Leben, das alle predigen? Nein! Das darf nicht sein. Aber doch. Es drängt mich. Bin das ich? Die Tabletten. Ein Schatten meiner Selbst. In mir existiert ein Paradoxon. Ich will mich anpassen, weil ich weiß was ich zu tun habe. Ich will mich aber gar nicht anpassen, weil ich weiß was ich lieber tun möchte. Ich will nicht krank sein, sondern strotzen vor Schaffensdrang. Ich will meine Krankheit übersehen, die mir keine Ruhe lässt, vorschreibt zu viel zu müssen und nicht immer zu können.

Oder bin ich einfach nur ein Niemand in einem großen System, weil ich nichts von den angesagten Lebensmodellen für mich vereinbaren konnte. Ein Tropfen auf den heißen Stein will ich nicht sein. Eine ausführende Funktion in einem System, ohne viel Selbstbestimmung lässt meiner exklusiven und individuellen Existenz nicht genug Entfaltungsspielraum. Einen Mittelweg zu finden, ist meine Lebensaufgabe. Nirgends bin ich so richtig aufgehoben.

Eingeständnisse und Auffassungen darüber wie ich mein Leben zu führen habe, was ich im Leben längst erreicht haben wollte oder womit ich beeindrucken möchte – ist dem Grunde nach eine Selbstdarstellung. Ein Ringen nach Anerkennung und Bestätigung.

Deswegen frage ich viel zu viel. Größenwahn und unterdrückte Selbstzweifel. Vielleicht bin ich überheblich oder nehme mich wichtiger als Andere, weil ich sehr bedacht bin auf meine Ziele und Erfolge. Ich halte mich nicht für etwas besseres, ich will etwas besseres sein. Ich will besser sein, als all die anderen Menschen, die gar nicht erst darüber nachdenken, was überhaupt bedeutend sein kann.

Der Tag birgt manchmal einfach keine Ereignisse. Es lässt sich nicht immer Freude aufbringen. An einem regnerischen Tag ist es legitim nur schwer aufstehen zu können –  nicht zu wollen. Einmal tue ich nichts zur Erweiterung meines Horizonts. Erfülle mein Leben mit etwas weniger Selbstbestimmung,  als ich akzeptieren kann. Da sich kein klares blau am Himmel abzeichnet. Wer Trübsal bläst, wer niedergeschlagen ist, wer nicht täglich stolz auf seine vollbrachten Taten sein kann, muss sich nicht direkt als bedeutungslose Existenz empfinden. Sobald ich die Kontrolle über mich verliere, bin ich tief traurig. Zu Tode betrübt.

Wenn es regnet, ist es leichter. Dann kann ich es auf den Niederschlag schieben. Wenn meine Hormone verrückt spielen, habe ich auch eine gute Ausrede. Die Schilddrüse hemmt mich.

Wir fragen uns nach dem warum. Nach dem Sinn, den wir schaffen. Keine Empfindung ist auch eine Empfindung. Es ist erlaubt keine gehaltvolle Reaktion auf ein Ereignis in unserem Leben aufbringen zu können. Nichts mehr davon wissen zu wollen. Mein Leben erfüllt einen Zweck: immer mehr zu wollen. Ich suche und erfinde mich immer wieder neu.

Dann kann ich einmal nicht mehr. Ich traue mir nichts zu und mache mir zum Vorwurf, dass ich keine Leistung vollbringe. Das ist unentschuldbar. Mein Schuldgefühl zermürbt mich. Eine Zwickmühle. Depression einprogrammiert. Warum akzeptiert das niemand. Oder bin ich diejenige, die das nicht wahrhaben will.

Wenn keine Resultate ersichtlich sind, halte ich lieber die Luft an. Ich höre auf zu leben. Erledigungen schiebe ich auf – von Tag zu Tag auf. Bis ich bald merke: ich werde verrückt.

Durchatmen. Es gibt mich noch. Ich muss mich nur wieder finden.

Nun liege ich bewusst im Bett. Ich kann nicht mehr. Ich atme. Ich lebe im Jetzt. Ich versuche liebevoll damit umzugehen, wonach mir ist. Nach nichts außer schlafen. Ich erlaube mir an die Decke zu starren ohne irgendetwas zu empfinden, ohne etwas zu leisten. Das nichts ist unendlich. Ich vertraue darauf: Das Sein ist endlich und kommt wieder. Ich höre auf mich verrückt zu machen.

Ich bin hier drinnen geschützt vor der Welt da draußen – die Welt voller Anforderungen. Mein Körper wird sich wieder einstellen. Wie der Wind sich einstellt. Die Sonne ist nur hinter den Wolken versteckt.

Stillstand ist keine Untat. Schlechtes Wetter ist nur ein guter Grund für schlechte Laune.

BY LULACY

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