GEDANKENWELT

Raum für Gedanken, Kreatives Schreiben & Gedichte


Wenn du durch die Hölle gehst, dann geh einfach immer weiter.

Winston Churchill


 

Wer wie wild umher springt,

Singt / Tanzt / Alles durcheinander bringt / Nichts mehr recht gelingt

Braucht Entspannung – sollte also langsam machen.

Wer den Boden unter den Füßen verliert, braucht Kraft und Halt.

Wer die Hoffnung aufgibt, hat verloren.

Mut tut gut.

Alles wird wieder.

Ende gut – Alles.


 

Was will ich besser machen? Warum Selbsthilfe mehr Wert ist als fremde Hilfe.

Bericht aus Betroffenensicht

Als manisch-depressiver Mensch bin ich stets damit beschäftigt, festzustellen wie gut es mir im Augenblick geht. Wieviel tauge ich im Moment auf einer Skala von 1 bis Unendlich. Mehr noch: das Bewusstsein für mich zu entwickeln ist meine Pflicht. Eine objektive Feststellung meines Geisteszustands wäre optimal. Die eigene Reflexion ist unumgänglich. Leider kann ich mich natürlich selbst ausschließlich subjektiv bewerten. Das Ergebnis fällt oft besonders streng aus. Es gibt jedoch Tage, an denen kommt mein Bewertungssystem nicht umhin zu bemerken: wahnsinnig gut geht es mir. Ein immenses Potenzial erschließt sich mir. Mit diesem Bewusstsein ertrage ich bedauerlicherweise die Gewöhnlichkeit nicht weiter. Der Alltag erdrückt mich. Macht mich müde. Enttäuscht mich bitterlich.

Da ich mich stets verliere, bin ich ständig auf der Suche nach meinem verlorenen Ich. Meine Gefühle sind überwältigend. Nicht zu fassen oder unerträglich. Ich finde mich wieder. Immer aufs Neue. Immer aufs Neue verliere ich mich wieder. Danach bin ich auf dem Weg der Besserung. Bis ich mich wieder einigermaßen gefangen habe. Oft verliere ich mich erneut in meinen eigenen Gedanken. Und dann urplötzlich: befinde ich mich augenblicklich auf Wolke 7,  in den Maniehimmel katapultiert. Etwas später begreife ich weder wo oben noch unten ist. Ich nehme mich stärker wahr und empfinde mich als unverwundbar. Ich habe nun einen unerschütterlichen Energiehaushalt zu verwalten. Strotze vor Geistesblitzen und Erfindungsreichtum. Ideen schießen durch meinen Kopf und ich will diesen nachkommen, bevor sie mir entgleiten mögen. Ich kann alles erreichen. Es gibt so vieles, was ich schaffen will. Ich muss es erreichen. Jetzt oder nie. Engel und Teufel tanzen auf meiner Schulter gemeinsam um die Wette. Danach bricht ein Streit aus. Ein innerlicher Kampf.

Andauerend denke ich über mich und das Leben nach. Es ist eine endlose Spirale. Weil ich mich immer wieder in den Bann ziehen lasse. Den Boden unter den Füßen verliere. In welcher Verfassung ich mich auch befinden mag. In Gedanken bewerte ich mein Verhalten unaufhörlich. Ich bin sehr darauf bedacht zu gefallen. Es sind hohe Erwartungen, die ich an mich richte. Ich erlaube mir keine Fehler. Jeder macht Fehler. Ich will sie mir vielleicht einfach nicht eingestehen. Ich nehme mich zu ernst. Will perfekt sein. Strebe immer nach etwas Unerreichbarem. Erwartungen machen es meinem Ego schwer. Er erträgt es nicht, die zahlreichen Erwartungen als unerfüllt zu begreifen.

Wenn ich also überaus schlagfertig bin, viel zu erzählen habe, mich selbst beweihrauche, Faszination schaffe mit meiner Lebensenergie, meine Freunde ganz einfach zum Lachen bringe und nicht genug vom Leben kriegen kann… Dann geht es mir einwandfrei. Ich bin fantastisch aufgelegt. Das ist ein Zustand, den ich respektiere. Das bin ich. Jawohl. Wahnsinnskerl. Nicht schlechter. Sondern es soll nur noch besser werden. Aber Nein.

Es ist gemein. Es geht mir zu gut. Der Zustand ist nicht gesund. Der Narzisst in mir kocht über. Ich übernehme mich. Kann nicht genug kriegen. Reize, Wahrnehmung, Sinn und Verstand scheinen in überwältigtem Maße in Einklang zu sein. Ich ziehe sehr eilig Schlüsse und komme zu berauschenden Erkenntnissen. Ich will zu viel auf einmal in die Tat umsetzen. Dann fange ich an mich zu verzetteln. Ich weiß gar nicht mehr wo ich zuerst anfangen soll. Schlaf ist überflüssig. Das wäre nur vergeudete Zeit. Es gibt wichtigere Dinge zu erledigen. Meinen zahlreichen Vorhaben müssen sofortige Taten folgen. Ich habe keine Zeit zu verlieren. Ich kann es nicht ertragen abzuwarten. Deswegen begebe ich mich schnell in einen Kaufrausch, schnell in Gefahr. Ich scheue kein Risiko. Meine Eltern haben eine hohe Lebensversicherung für mich abgeschlossen, denke ich. Weil ich die Bedürfnisse nur durch Erfüllung der Wünsche stillen kann, werde ich maßlos. Mir sind alle Mittel recht dafür. Mein Wille ist zügellos. Ich bin nicht zu bremsen. Ich begebe mich in einen Rauschzustand, der niemals enden mag.

Aber ja. Oh doch. Er endet. In der Depression. Im tiefen Loch bin ich jetzt angekommen. Und ich buddle mich ganz tief ein. Suhle mich im Selbstmitleid. Sodass ich unter Umständen nicht mehr alleine heraus komme. Ich will nichts, kann nichts, bin nichts mehr. Es ist vorbei, so begegne ich meinem Elend. Rien ne va plus.

Das Tal der Tränen verlasse ich nur aus eigenem Antrieb. An die eigene Kraft komme ich nicht heran. Im Moment besitze ich nichts. Ich leide. Struktur ist das einzige, was Halt verschafft. Die einzige Sicherheit, die mir geboten wird. Struktur bedeutet, es gibt etwas auf das ich mich verlassen kann. Auf mich selbst kann ich mich nicht verlassen. Darüber bin ich schwer enttäuscht. Ich muss den Glaube an mich zurückerlangen.

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